Infoabend

Besteht Interesse an einer Kursteilnahme, können Sie sich zu einem unverbindlichen Achtsamkeits-Infoabend anmelden.

Das Bild zeigt einen grünen Farn über grauen Steinen.

,Hier sitze ich nun. Um mich herum leere Stühle, nur zaghaft füllen sich die Reihen.

Die Praxis war nicht schwer zu finden, den Weg zur Wohnungstür dafür umso schwerer. Das Abendbrot musste nach vorne verschoben werden, verwirrte Kindergesichter. Schlafanzüge schon am späten Nachmittag angezogen. Noch mehr Verwirrung. Ja und? Ist doch gemütlich.

Ein großer Farn beeindruckt mich und löst sogleich bekannte Selbstzweifel aus: warum dümpeln meine eigenen immer nur auf Plastik-Farn-Größe herum? Eine junge Frau betritt den Raum – natürlich: bunter Selbststrick-Pullover, Wollsocken. Ich meine fast eine Rastasträhne am Hinterkopf auszuspähen. Engelsgleich lässt sie sich auf einen der Stühle nieder.

Die Kursleiterin bietet Tee und Wasser an. Wann hat mir jemand das letzte Mal ein Getränk gebracht? Dafür, und für diesen wunderbar aufgeräumten Raum, wäre ich bereit den Kurs sofort zu buchen. Ein fülliger Mann im Geschäftsanzug kommt lachend zur Tür herein. Eine schüchterne kleine Frau huscht hinterher. Wir verteilen uns wie gleich gepolte Magnetkugeln auf die Stuhlreihen. Jeder mit größtmöglichem Abstand zum anderen. Die Veranstaltung beginnt.

Ich gehe im Kopf die To-Do-Liste von heute durch. Hatte ich nicht noch die Zahnarztpraxis anrufen wollen, einen Termin verschieben?

Präsent sein im gegenwärtigen Moment

Die Kursleiterin, eine gelernte Psychologin, spricht über ihre eigenen Erfahrungen mit Achtsamkeitstraining. Die Kunst im Moment zu leben. Über die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zu positiven Auswirkungen von Achtsamkeitsübungen bei chronische Erkrankungen.

Ich schiele verstohlen auf mein Handy. Artig hatte ich es auf lautlos geschaltet. Nun zeigt mir mein Sperrbildschirm diverse Problemlagen daheim an. Wo der gewünschte Cous-Cous-Salat zu finden sei? Warum das eine Kind das andere nicht mehr ins Bad lasse? Kreative Fluchrhetoriken.

Das Achtsamkeitsprogramm erfordert jeden Tag 45 Minuten Zeit zum üben. Daheim in Eigenregie, mit Hilfe von Audiodateien.

Mein inneres Ich lacht laut auf. Es stellt sich die Blicke daheim vor, wenn ich, statt die Waschmaschine auszuräumen oder Kartoffeln zu fritieren, im Lotussitz mit Klangschalen-Untermalung das Wohnzimmer beräuchere. Ich dachte, der Kurs ist speziell für Eltern. Hat schon mal wer Eltern kennengelernt, die auf der Suche nach einer Aktivität sind, um 45 freie Tagesminuten zu befüllen?

Es soll geübt werden, Situationen offen und wertfrei zu begegnen. Nicht zu urteilen. Den Moment wahrzunehmen und anzunehmen wie er ist. Sich vollkommen in der Gegenwart zu befinden. Mein Blick schweift zum Handy-Bildschirm. „Mama, wann kommst du endlich?“ Die Gegenwart?

Ich lege das Handy in die Tasche und drehe den Bildschirm nach unten.

Wir machen eine Übung. Augen schließen. Den Körper spüren. Die einzelnen Körperteile scannen. Hatte ich schon immer einen Nacken? Meine Schultern lassen sich fallen. Tief, noch tiefer. Ich atme ein. Tief, noch tiefer. Und wieder aus. Ich spüre in meine Füße, Hände und Kopf hinein. Ich verabschiede die sich darin befindenden Gedanken und genieße die Leere. Ich atme wieder ein und aus. Wir öffnen die Augen.

Ich greife in die Tasche und schalte den Bildschirm schwarz.

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